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Wir wollen nach Luncavita und landen nach einem Verfahrer und einer längeren Passage durch den Wald, die uns hinterher Discovery-Punkte einbringen wird, in Brebu Nou (Weidenthal) im Banater Bergland, das fast vollständig von deutschstämmigen Rumänen bewohnt wird. Das Semenic Touristenzentrum ist schnell über Asphalt erreicht und ein idealer Ausgangspunkt für schwierige Offroad-Fahrten zum Geisterdorf nach Lindenfeld, was wir aber dann doch nicht machen. ;-)

Schnell fahren wir wieder herunter in Richtung Hauptstraße und kommen dabei über nagelneu asphaltierte Passagen gleichermaßen wie über schwierige Grobgeröllpassagen. Die spinnen, die Rumänen. ;-))Unten an der Hauptstraße esse ich die leckersten Cevapcici, die ich je gegessen habe, allerdings mit den fettigsten, öligsten Pommes, die ich je gegessen habe. Naja. ;-) Die eiskalte Cola ist o.K. Ein Rumäne, der vor einigen Jahren nach Deutschland ausgewandert ist und gerade in Rumänien in seiner alten Heimat Urlaub macht, erzählt ein wenig mit uns und besteht nachher darauf, unser Mahl zu bezahlen. Wir bedanken uns artig. ;-)

Renate fährt dann direkt weiter zum Camp während Chris und ich noch zum Cuntu wollen. Der Weg führt über den Checkpoint Plopu Bücke, den wir mit viel Speed über eine schön zu fahrende staubige Erdpiste ansteuern. Auf einmal wird meine Karre recht schwammig hinten. Ein Blick bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Ein Platten! Mist!Wir hatten natürlich alles dabei, so packten wir die Kiste auf den Hauptstände und mit dem genialen Reifenabdrücker/Montierhebel-Set von Polo ist der Reifen schnell von der Felge gelöst und der Schlauch herausgezogen. Die Ursache ist schnell gefunden. Ein Hufnagel hat sich in das Gummi gebohrt. :-( Naja, Flicken drauf, in den nahen Bach gehalten, neue Löcher entdeckt, die vermutlich vom Scheuern an der Felge kommen, auch geflickt und alles wieder eingebaut. Der Reifen scheint dicht zu sein, Druck drauf mit Chris´ genialer Standluftpumpe und alles wieder verpacken, in anderthalb Stunden ist der Mist vergessen und wir sind wieder bereit zu neuen Taten. ;-)

Mit viel Speed geht’s direkt weiter und endlich erreichen wir viel zu spät den Kontrollpunkt. Als wir uns nach dem weiteren Weg zum Cunut erkundigen, meinen die Jungs, daß wir da besser über Plopu Brücke fahren sollten. Nach unserer erstaunten Rückfrage stellt sich raus, daß wir an einem anderen Checkpoint sind, und zwar Raul Alb. Wir drehen daher und wollen einer Offroad-Abkürzung folgen, die uns nach Plopu Brücke bringen soll.

Die versprochene Brücke ist nur ein schmaler Steg über den Fluß, deswegen wählen wir die Furt. ;-) Es macht großen Spaß und Chris ist wieder naß bis zum Scheitel im Helm. ;-)) Weiter geht die Hatz einen engen Hohlweg hinauf, wo wir uns an einem entgegenkommenden Pferdefuhrwerk vorbeizwängen müssen (Chris lehnt die Kuh einfach an den Rand des Hohlwegs und hat nachher Probleme, sie wieder aufrecht hinzustellen, da es sehr steil dort war. ;-)

Oben auf dem Kamm führen uns einige Bauern die Wiese herunter und wir geraten wieder in einen Hohlweg, der zum echten Problem werden soll, da er so eng ist, daß man nicht in einer der Spuren fahren kann, da man dann mit den Sturzbügeln und den Zylindern (das gilt nur für die anwesenden BMWs) am Rand des Hohlwegs schleift. Mehr schleifend und ziehend wuchten wir die Kisten den durchnäßten Weg herunter, an fahren ist nicht zu denken. Als sie unten endlich auf einem halbwegs waagerechten Stück stehen, verschnaufen wir erstmal etwas. Das war schwere Arbeit. Einige Bauern haben uns ankommen sehen, die müssen uns für total verrückt halten. ;-)

Weiter geht’s und nach kurzer Fahrt erreichen wir die Talsohle, der Fluß dort, wo wir wieder drüber müssen, ist doppelt so breit und so tief wie der auf der anderen Seite, aber es hilft alles nix, wie müssen durch. Mit viel Gas im ersten Gang pflügen wir durch das kühle Naß, es macht einen riesen Spaß! Oben auf dem Weg geht’s rechts und wir düsen mit schnellem Speed über den staubigen Erdpfad mit viel Grip Plopu Brücke entgegen. Es dämmert schon, als wir den Checkpoint erreichen. Die Jungs wollten gerade abbauen, wir sind die einzigen an dem Tag dort und es ist mittlerweile 20:00 Uhr. Wir bekommen den Stempel und beschließen, den Cuntu dieses Jahr auszulassen. In wilder Hatz geht’s über die Piste mit langem Abstand wieder zurück zur Hauptstraße und nach einer halben Stunde sind wir wieder auf Asphalt und heizen zurück zum Camp.

Bei einer Getriebeölstandskontrolle (von Chris´ Kiste) braust Markus mit der LC4 mit mindestens 130 Sachen an uns vorbei. "Den kriegen wir noch", rufen wir wie aus einem Munde, stürzen uns auf die Kisten und drehen am Hahn. Es dauert dann doch recht lange, bis wir ihn eingeholt haben, und wir fahren gemeinsam, bis wir den Waldrand vor Nadrag erreicht haben. Dort wechseln wir die Visiere (getönt gegen klar), Markus baut den Steinschlagschutz an seiner LC4 am Scheinwerfer ab, damit er wenigstens etwas sieht. ;-)

Im Formationsflug geht’s dann durch den Wald, es dämmert schon recht stark und ich kann das Fernlicht hinter Markus anlassen, da er seine Spiegel abgebaut hat. ;-) Ich leuchte ihm einige Kilometer heim, er kann mich nicht abschütteln, ich lege ihn mir in jeder Kurve zurecht, so daß ich ihn überholen könnte, wenn ich wollte. In einer der letzten Kurven schließlich muß er dran glauben und er wird hergebrannt. Zumindest auf Asphalt ist offensichtlich eine gut gefahrene Africa Twins auch in engen Kurven den KTM Hard-Crossern überlegen. ;-)

Im Camp werden wir mit großem Hallo begrüßt, viele Leute sind da und geben ihre Zettel ab, es gibt viel zu erzählen und nach einem erneut schmackhaften Abendessen (für Renate hat Geza mittlerweile schon ohne Vorbestellung etwas Vegetarisches gemacht) fallen wir alle in die Betten.Nachts schwöre ich mir, daß das die letzte Nacht in diesem ätzenden mückenverseuchten Ferienhaus ist und unter ständigem Mückengesirre finde ich nur schwer in einen bleiernen Schlaf.

Freitag, 14.8., Ruhetag 1

So, die Enduromania ist geschafft. Wir pennen lange und ausgiebig und machen uns daran, unseren Vorsatz vom Vorabend in die Tat umzusetzen: Nichts wie weg aus dem mückenverseuchten Strandhaus. Wir rödeln alle Sachen sehr provisorisch auf die Kisten und zahlen die Rechnung an den Arzt, der uns beherbergt hat, nicht ohne uns vorzunehmen, im nächsten Jahr auf jeden Fall nicht mehr dorthin zu gehen, falls wir noch mal in Surduc übernachten sollten. Es geht doch nix über zelten. ;-) Die paar hundert Meter zum Camp waren schnell bewältigt, wenngleich wir auch teilweise Schwierigkeiten hatten, das nur lose ´draufgeworfene Geraffel festzuhalten. ;-)

Auf der schräg abfallenden Wiese waren natürlich mittlerweile die besten Plätze belegt, da naturgemäß am letzten Tag auch die Leute, die während der Enduromania-Woche woanders übernachtet hatten, nach Surduc hochgekommen waren, um bei der Siegerehrung, die am Abend stattfinden sollte, dabei zu sein. Das hätten wir uns auch vorher denken können... Wir erwischten ein halbwegs akzeptables Plätzchen und bauten erstmal die Zelte auf. Die Sonne war mittlerweile hoch gestiegen und es war wieder sehr warm. Immer wieder zwischendurch sprangen wir in den See, ruhten uns auf dem Bootsanlegesteg aus faulenzten einfach ein wenig in der Sonne ´rum und bastelten zwischendurch an dem Zelt weiter oder räumten ein wenig in den Klamotten ´rum usw.

Über den Tag verteilt kamen immer mehr Leute und es ergab sich so mancher Schnack mit den Mitstreitern. Ottmar Königsdorfer kommt mit seiner Truppe vorbei, er hat einen dicken Nissan Terrano und einen Hänger dabei, wo sechs Crosskisten quer draufgehen und hinten noch das Quad dahinter paßt. Eine abgefahrene Fuhre, ein echter Hingucker.. ;-)Auch der Typ mit dem dicken Wrangler Jeep ist wieder da. Der zog bei der Anreise einen Hänger, der mit zwei Moppeds und dem ganzen Geraffel der Leute völlig überladen war und dann hatte der noch auf einem selbstgebastelten Gestell eine dritte Kiste quer hinter dem Auto über der Anhängerkupplung hängen. Das Vorderrad mußte dazu ausgebaut werden. Seine Spezialität war, nur die schwierigsten Punkte anzufahren (Lindenfeld, Cunut, Tarcu) und dies zuerst mit dem Mopped und dann am nächsten Tag mit dem Jeep (!) zu bewältigen. Selbst die Hochgebirgsstrecken, die ausdrücklich nicht für Reiseenduros empfohlen waren, ist der angeblich mit dem dicken Wrangler V8 hochgefahren. Dementsprechend sah der auch aus. Ein echtes Kampfgerät. ;-)

Nachmittags machen Chris und ich uns noch auf, um zum Nachtisch noch nach Caprioru zu fahren. Das ist eine Hütte, die Luftlinie ca. 5km südlich von Surduc liegt und wo wir aber nie hingefahren sind, weil von da aus nur Hardcross-Strecken durch den Wald abgehen. Naja, heute wollten wir halt was Nettes zum Nachtisch haben und Renate wollte eigentlich mit, aber Montezumas Rache hatte sie eingeholt, so daß sie es vorzog, in der Nähe einer Toilette zu bleiben. ;-) Somit hatten wir keine Probleme, zu zweit ein wenig im Dreck spielen zu gehen. ;-)

Wir düsten zuerst mal wieder die schöne Strecke durch den Wald nach Nadrac, wo wir dann anschließend durch das Dorf immer geradeaus durch den Wald den Hang hinan fuhren. Direkt hinter dem Dorf begann der Naturboden, es staubte ziemlich, nicht zuletzt, da wir ziemlich zügig unterwegs waren. ;-) Auf dem Weg hinan kamen wir an einer Furt vorbei, die wir natürlich nicht auslassen konnten, also Fotoapparate raus und ein paarmal durch das kühle Naß. ;-)

Weiter bergauf wurde es dann schotterig und gröber, die Situation war aber immer recht gut zu beherrschen. Die Hütte selbst liegt in einer kleinen Lichtung. Wir stellten die Moppeds ab und bestellten eine Erfrischung. Außer einigen einheimischen Feriengästen, die in kleinen Hütten um das Hauptgebäude wohnte, war niemand da. Ein älterer Rumäne verwickelte uns in ein Gespräch und bedauerte die Revolution und die dadurch einher gekommenen Veränderungen. Unter Ceaucescu war alles besser. Er redete sich richtig in Rage, obwohl wir nur still zuhörten, aber vielleicht sah er uns unsere Fassungslosigkeit an, jedenfalls brach er seine Erzählung mehrfach recht unvermittelt ab, so als wenn er daran nicht erinnert werden wollte. Aber immer wieder kam er von selbst wieder an und fing wieder an, den alten Zeiten hinterherzutrauern. Sergio meinte nachher, als wir ihm das erzählten, so Leute gäbe es leider noch viel zu viele.

Naja, wir mußten zurück zum See, die Siegerehrung sollte abends stattfinden. Zügig düsten wir wieder den Weg runter und in einem Kiosk in Nadrac kauften wir noch eine Schachtel Zigaretten. Sofort sammelte sich eine Schar Kinder im Alter von ca. 12-16 Jahren um uns und fachsimpelte auf rumänisch. Als wir losfuhren wollten, sprach ich einen kleinen Jungen an und bat ihn, die Kiste anzumachen, Er solle einfach nur auf den Starterknopf drücken. Mehrfach mußte ich ihm die Handbewegung vormachen, bis er begriff, daß er die Ehre hatte, die Twin zu starten. Er versuchte es sehr zaghaft und schüchtern und berührte sachte den Anlasserschalter. Nix tat sich, klar. Nachdem ich ihm nochmals klargemacht hatte, daß er fester drücken sollte, traute er sich und die Kiste sprang sofort an. Ich bedankte mich höflich und düste erst sanft und dann, als ich außer Dreckspritzweite war, mit einem kräftigen Drift ab. Die leuchtenden Augen des Jungen nach dem Start waren jedenfalls einfach ein Gedicht, davon erzählte der seinen Freunden wahrscheinlich noch Wochen später. ;-)

Nach einer kurzen Kurvenjagd durch den Wald von Nadrac (mittlerweile kenne ich dort fast jede Kurve) kamen wir wieder in Surduc an und kamen gerade rechtzeitig, um uns unsere "Teamuniform" anzuziehen, die grünen Action Team T-Shirts vom Enduro-Training in Warching. Zur Siegerehrung war der frisch reparierte Enduromania-Patrol sehr malerisch an den See gestellt, daneben etwas dahinter prasselte ein großes Feuer und noch weiter links waren einige Crosskisten aufgestellt, um den Siegerehrungsfotos eine angemessene Kulisse zu geben.

Auf eine sehr liebe Art bedankte sich Sergio bei allen Aktiven und Sponsoren, bei den vielen Helfern und Helferinnen, ohne die so ein Unternehmen nicht möglich gewesen wäre. Und dann begann er mit der Siegerehrung, in der auch Sonderpreise vergeben wurden. So gab es eine Wertung für das "Most Dynamic Team", die an die drei Dänen ging, die mit ihren Späßen und Sondereinlagen immer wieder für Gelächter gesorgt hatten. ;-) Weiterhin wurde Miß Enduromania gekürt (der Preis ging an Conny aus Mönchengladbach) und auch die wirklich ausnehmend hübsche kleine rumänische Ärztin kam nicht ohne einen Auftritt vor versammelter Mannschaft davon. Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge und auf einmal hatten alle blaue Flecken und geschwollene Fuß- oder Kniegelenke. ;-))

Dann kam die Siegerehrung, Gesamtsieger der Einzelwertung wurde Markus aus Köln auf einer LC4, Gesamtsieger in der Teamwertung wurde das rumänische Team ("Magic Sports"), nicht zuletzt wegen der hervorragenden Discovery Leistungen (die haben viele neue Strecken entdeckt) und wegen der fast schon heldenhaften Bergungsaktion, die sie am vorletzten Tag durchgeführt hatten. Bei einem Stück mit sehr hohem Gras in der Nähe vom Geisterdorf Lindenfeld ist wohl ein Österreicher (nein, nicht Chris) in eine kleine Schlucht gestürzt, weil der führende Rumäne ihm zu langsam fuhr und er kräftig am Gas drehend mit seiner LC4 den dahinter liegenden Abgrund nicht gesehen hatte... :-( Dabei zog er sich einen Rückenwirbel-Bruch (zum Glück nur der Wirbelzapfen und nix mit den Nerven) und einen Komplizierten Handbruch zu. In mühseliger Kleinarbeit sortierten die Rumänen vom Magic Sports Team den Verunglückten irgendwie herunter ins Tal, wo er mit einem Auto zum Militärflughafen nach Caransebes gefahren wurde, wo eine dank Sergios Beziehungen und Improvisationstalent herbeiorganisierte Ambulanz-Maschine ihn dann nach Innsbruck in ein Spezialkrankenhaus ausflog. Auch die Kiste wurde von den Rumänen danach noch geborgen. Das gab massig Bonuspunkte, klar.

Wir belegten in der Einzelwertung Plätze in der Nähe des 40. Rang, das ist mittleres bis hinteres Mittelfeld. Dafür, daß wir Anfänger waren, waren wir zufrieden. Renate belegte in der Damenwertung den dritten Platz und Chris und ich werden als ihre Bodyguards auch nach vorne zitiert und mit Urkunden ausstaffiert. ;-)

Der Abend wird noch lang und bei einem hervorragenden, natürlich von Geza mit viel Liebe herbeigezauberten Festschmaus fallen wir alle betrunken, satt und glücklich in die Betten. ;-) Und dies war dann die erste Nacht in Surduc am See, wo wir entspannt, ohne Mücken (jaja, so ein Mückengitter im Zelt ist was Feines) und ohne Schwitzen (man zieht sich einfach solange aus, bis man nicht mehr schwitzt ;-)) so richtig erholsam die ganze Nacht durchgepennt haben. Herrlich.

Samstag, 15.8., Ruhetag 2, Zeltabbau, Transfer zu Geza

Abreisetag. Einige wenige Teams brechen sehr früh auf, das Gros muß erstmal wieder fit werden, die meisten kalkulieren eh viel Zeit für die Grenze etc. so daß der erste Tag meist nur ein wenig nach Ungarn ´reingeplant wird und es erst danach so richtig zügig nach Hause geht. Wir wollten an dem Tag nach Minis zu Geza fahren und dort noch eine Nacht übernachten und uns seine wirklich angenehme Gastlichkeit noch ein wenig gönnen. Wir hatten also am meisten Zeit und trödeln nach dem Frühstück noch durch das Camp und schwatzen hier ein wenig, gehen noch mal schwimmen, liegen faul in der schon wieder recht prallen Sonne und schauen uns an, wie die Dänen ihr Geraffel abenteuerlich hoch auf ihre kleinen leichten Kisten türmen und dann unter großem Gejohle und heftig schlingernd von dannen bollern. Auch die Schweden mit ihren Transalps auf den Hängern und im VW-Bus sind recht schnell weg und so nach und nach lichten sich die Reihen. Abschiedsstimmung.

Ich pussle noch ein wenig an dem Scottoiler ´rum, dem die schlammigen Passagen nicht so gut bekommen sind, er ölt nicht mehr. Ich schaffe es, das Röhrchen am Ritzel wieder freizustechen, mal schauen, ob er nachher wieder läuft.Immer wieder springen wir in den herrlich kühlen See und genießen danach die warme Sonne auf der Haut. Es ist einfach viel zu schön, um abzufahren, aber irgendwann müssen wir dann doch los. Geza hatte und gebeten, nicht vor 18:00 Uhr zu kommen, da er noch sein Geraffel in den ASB Transit verladen und in Minis alles wieder ausladen mußte, da wollte er sich vorher noch sortieren.

Am Nachmittag packen wir alles zusammen und machen uns etwas schwermütig (ich zumindest) auf den Weg. Es ist wieder ein schönes Gefühl, mit vollem Gepäck unterwegs zu sein. Die Maschinen werden komfortabler und liegen ruhiger auf den holprigen Straßen. Wir probieren eine Strecke aus, die eigentlich wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Man hat viel losen und tiefen Schotter aufgeschüttet und die schwer beladenen Kisten sind nur schwierig unter Kontrolle zu halten und ich komme einmal sehr gefährlich ins Schlingern. Ich beschließe, neben der Straße durch die Wiese zu fahren und das geht erheblich besser.

An einer Kurve in einem Dorf auf der Hochebene nördlich von Surduc fahre ich etwas voraus, um ein Foto von Renate und Chris zu machen. Sofort werde ich von den Dorfbewohnern umringt, einer stellt sich mit Handschlag vor und fragt mich, woher ich komme und wo wir hin wollen. Die nächste Frage ist, ob ich ihm Zigaretten oder 10,-DM geben würde. Ich vermeide jegliche Diskussionen, mache das Foto und schwinge mich auf den Bock, ohne den Helm groß aufzusetzen, bloß weg! Nach einigen hundert Metern halte ich noch mal an und setze den Helm richtig auf. Man ist den Typen ja dann schon recht dumm ausgesetzt, wenn es so viele sind, da ist man immer wieder froh, wenn man heil entkommen ist.

Wir fahren zügig über die Hochebene, wo viele Tiere frei herumlaufen, immer wieder passieren wir Pferde- oder Rinderherden auf der Straße oder Gänsehorden, wo die Gänse laut schnatternd weglaufen und die Ganter sich uns mit ausgebreiteten Flügeln noch lauter schreiend entgegenstellen.Bei Lipova sehen wir im Vorbeifahren einige sicherlich sehr interessante Burgruinen, aber wir wollen weiterfahren.

Bei Geza ist natürlich ein großes Hallo, wir müssen erst das herrlich umgebaute Haus besichtigen, es erweckt den Eindruck einer kleinen Burg, dicke Wände und innen ist alles mit großen felsigen Natursteinen ausgekleidet. Die Möbel sind sehr rustikal und massiv, ein tolles Ambiente. Er ist noch nicht soweit mit den Vorbereitungen fürs Abendessen, so daß wir nur eben das Gepäck abladen und noch mal weiter nach Norden zur ca. 15 km entfernten Siria Burg fahren. Renate war ja beim ersten Mal nicht oben und wollte es doch noch einmal wissen. ;-)

Oben glücklich angekommen erforschen wir zu Fuß die faszinierende alte Ruine, in der vor hundertfünfzig Jahren noch jemand gelebt haben soll, erzählt uns Geza hinterher. Im Krieg war hier wohl eine Flak-Stellung, da man von der Burg aus weit in die darunter liegende und völlig pott-ebene Puszta Ebene schauen kann. Klar, daß man die natürlich völlig zerbombt hat. Da sind sogar dicke Kellergewölbe eingestürzt. Heute sind nur noch die Grundmauern erhalten.

In der Dämmerung fahren wir wieder herunter und machen eine Menge toller Fotos, die sich hinterher als die schönsten des Urlaubs entpuppen sollten. Als wir wieder bei Geza angekommen sind, duschen wir erstmal so richtig ausgiebig und schon tischt er uns ein wirklich opulentes Mahl auf. Es gibt eine Suppe von selbstgesammelten Pilzen und anschließend ein wirklich exzellentes Rinderfilet auf Reis mit einem Steinpilzragout, das sich gewaschen hat. Für Renate hat Geza natürlich was leckeres ohne Fleisch gezaubert, Chris und ich wollen zuerst tauschen, aber als dann unser Mahl kommt... ;-) Wir schlemmen, bis alle Teller leer sind und stellen mit Freuden fest, daß noch eine dicke Pfanne voll mit Pilzen da ist: Auf zum zweiten Gang. ;-)

Nachher können wir nicht mehr "Papp" sagen, und nachdem auch Gezas hervorragender Wein ausgetrunken ist, wanken wir in die Betten (richtige frische Bettwäsche, einfach herrlich!) und fallen in einen tiefen und bleiernen Schlaf. Für alle, die Gezas Gastfreundschaft auch einmal erleben wollen: Hier die Adresse:

Geza Tüdös

Minis Nr. 37

Judetul Arad

Tel. 0040-57-461415

Auf die Telefonnummer kann man ihm auch ein Fax schicken, wenn man vorher kurz anruft und ihm Bescheid sagt, daß er’s umstellt.

Sonntag, 16.8., Rückkehr nach Wien

Nach dem Aufstehen genießen wir ein opulentes Frühstück bei Geza mit selbstgezüchteten Tomaten, so dick wie Orangen. ;-) Wir futtern uns einen Speckrand für den Tag an und fühlen uns hervorragend. Man hat nicht das Gefühl, in einer Herberge zu sein, sondern man ist bei ihm persönlich zu Gast und genießt es, von ihm bemuttert zu werden. Nachher bezahlen wir 45,-DM für Abendessen, Frühstück und die Übernachtung und beschließen, daß das ein guter Deal ist. ;-)

Wir fahren nach einem aufwendigen Abschied los und gelangen schnell auf die Schnellstraße nach Arad und weiter in Richtung Grenze. Vorher kaufen wir an den am Straßenrand verteilten Ständen für Souvenirs noch ein spottbilliges Holzintarsien Schachspiel und einige Stickereien und wehren mit Mühe die zahlreichen Verkäufer ab, die uns hüfthohe Vasen aus Holz verkaufen wollen. ;-)

Vor der Grenze werden die letzten rumänischen Lei in Benzin umgesetzt und der Funk abgebaut und dann geht’s an den Grenzposten. Nach einer halben Stunde Wartezeit werden die Moppeds aus dem Paß ausgestempelt und wir sind wieder in Ungarn. Antennen und Funkkabel anbauen und ab auf die Straße. Nach einer kurzen Stunde über Land erreichen wir die Autobahn und düsen zügig Richtung Budapest.

Da an dem Tag das Formel-1 Rennen in Budapest war, erwarteten wir zum späten Nachmittag einen heftigen Rückreiseverkehr von Budapest nach Österreich, also wollten wir früh dort vorbei. Leider wurde daraus nix, denn mein geflickter Hinterreifen meinte, der Autobahnfahrt nicht gewachsen sein zu müssen und verabschiedete sich zum Glück bei einem Tankstopp. Auf der Tankstelle wurde dann der Schlauch gewechselt und in einer knappen Stunde waren wir wieder unterwegs.

Wir geraten natürlich in den Rückreiseverkehr und stehen ein wenig vor der Grenze nach Österreich, aber die Abfertigung ist recht zügig, man war auf den Andrang vorbereitet. Das Schengener Abkommen wird an dem Abend nicht ganz so eng befolgt. ;-) So langsam brach die Dunkelheit herein und wir trafen erst im Dunkeln in Wien ein. Dort dinierten wir erstmal in einem Wienerwald und wechselten dann in einen Wiener Vorort, wo Bekannte von Chris uns herzlich aufnahmen und wir nach einem kurzen Plausch einschliefen wie die Steine.

Montag, 17.8., Besichtigung von Wien

Der Tag fand ohne Moppeds in Wien statt. Mit der Tram fuhren wir rein, aßen bei Tichy das berühmte Eis, schauten uns den Prater und die Fiaker am Stephansdom an und besichtigten die Katakomben unter dem Platz am Dom. Sehr interessant. Die spanische Hofreitschule konnte Renate dann doch nicht besichtigen, da die Tiere sich im Sommerlager in Piber bei Köflach befanden. Abends ging´s dann nach einem riesigen Wurstsalat und viel Schmäh in die Falle.

Dienstag, 18.8., Burgenland und bucklige Welt

Heute sollte es durchs Burgenland in den Süden Österreichs gehen und so langsam wollten wir uns dann nach Westen vorkämpfen, Chris hatte sich einige Höhepunkte ausgesucht und wir düsten recht früh los. Wir wollten erstmal nach Süden und dann irgendwann nach Westen in die steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen abschwenken und die Kalte Kuchl besuchen, ein bekannter Bikertreff der Gegend. Wir machen kurz Rast und futtern ein wenig. Einige von uns [ähem] laborieren ein wenig an Montezumas Rache, ein Mitbringsel aus Rumänien. ;-)) Wir sausten dann weiter durchs Höllental (sehr schöne Gegend) und machten uns dann auf die Autobahn Richtung Graz, um rechtzeitig zur 15:00 Uhr Führung (das InterNet ist schon Klasse, wenn man da sowas mal eben nachschauen kann... ;-) der Lippizianer in Piber zu sein. Es würde aber recht eng werden, so daß wir etwas dran zogen.

Naja. Es stellte sich dann raus, daß die Führung erstens uns 14:00 Uhr war und zweitens daß wir dann doch eine Halbe Stunde nach 15:00 Uhr eintrafen, so daß wir praktischerweise den Eintritt gespart hatten und noch mitbekamen, wie die Fohlenherde auf die Wiese getrieben wurde. Das ist schon ein wunderschöner Anblick und auch ein Pferdemuffel muß sich dafür begeistern, wenn diese eleganten Tiere und die vielen Fohlen da an einem vorbeiziehen und auf der Wiese herumspringen.

Weiter ging´s über das Gaberl, wo sich allerdings das Wetter recht stark verschlechterte und wir den ersten Regen der gesamten Tour hatten. Wir kehrten dann auch spontan in Judenburg im Gasthof Murblick ein und beschlossen kurzerhand, nachdem der Regen einfach nicht aufhören wollte und der Gedanke an ein frisches Bier übermächtig wurde, dort auch zu übernachten. ;-) Die Moppeds kamen in eine Garage und für nur umgerechnete 35,-DM hatten wir eine prima Übernachtungsgelegenheit. Auf Zelten hatten wir dann doch bei dem Regen keine Lust.

Mittwoch, 19.8., Heimkehr nach Linz

Am Morgen hatte es dann ertsmal aufgehört zu regnen, aber es sah immer noch recht wolkenverhangen aus. Im vollen Vertrauen auf Renates Wetterkenntnisse ("wir brauchen keine Regensachen anzuziehen") fuhren wir erstmal ohne los, um in Richtung Leoben die Autobahn zu entern. Prompt waren wir oben, begann es kräftig zu regnen. "Naja, das kurze Stück bis zur nächsten Ausfahrt überstehen wir auch so, wer wir denn direkt weicheiern") und so fuhren wir im Regen weiter, um dann in Richtung Eisenerz die Autobahn zu verlassen, wo dann endlich der Regen aufhörte (grmpf!). Wir wollten dann über die Landstraße nach Eisenerz fahren und den berühmten Erzberg besichtigen, wo eine Woche vorher das Erzberg-Rodeo stattgefunden hatte. Am Aussichtspunkt hat man einen schönen Ausblick auf einen Teil der Straße, die den Berg ´raufführt und wo der Iron Road Prolog stattfindet. Im nächsten Jahr fährt mindestens ein bekannter Fahrtwindler dort mit, habe ich gehört, dann werden wir sicher wieder dort sein. ;-))

Anschließend kreuzen wir mit dem Hengstpaß die Ennstaler Alpen und schauen uns die prächtig parabolisch geformte Staumauer der Steyr bei Klaus an. Die Brücke hat auf dem Wasser abgewandten Seite einen so starken Überhang, daß man von der Krone herab Bungee Jumping machen kann. Muß ziemlich cool sein. ;-) Leider findet das nur am Wochenende statt, so daß wir uns das Spektakel nicht ansehen konnten. An der Steyr entlang führte uns Chris dann nach Linz, wo wir abends ankamen.

Donnerstag, 20.8., Linz -> München

Heute sollte es bis nach München zu Anselm Kruis gehen, wo wir uns per Mail angemeldet hatten. Das war eine recht kurze Strecke und so beschlossen wir, über Landstraße einige Umwege zu fahren. So fuhren wir nach dem Abschied von Chris in Richtung Süden bis Salzburg (tolle Aussicht auf den Mond- und Wolfgangssee), um kurz vorher am Salzburgring vorbei von der Autobahn ´runterzufahren und Richtung Berchtesgarden durch die Täler zu gondeln. Besonders schön ist das am Wochenende für Moppeds gesperrte Wiestal mit der Fahrt am Wies-Stausee entlang. Die Aussicht ist schon einen Abstecher wert.

Weiter über Berchtesgarden, Schönau und am Königssee entlang über die deutsche Alpenstraße zur A8. Hier ist perfekt vermarkteter deutscher Alpentourismus, wir fühlen uns nicht besonders wohl und machen, daß wir weiterkommen.

Vor München verlassen wir die A8 und fahren nach Süden über Miesbach, Bad Tölz (das erste Mal wieder bei Mc Donalds, hmmmm! ;-))) Weiter geht’s über Lenggries, am Sylvensteinsee (?) vorbei die Isar flußaufwärts. Das letzte Stück geht über ein Privatgelände der bayrischen Forstverwaltung und kostet 5,-DM Maut. Hier ist die Isar wunderschön breit und die Natur fast unberührt. Eine sehr schöne Strecke. Dann schwenken wir nach Norden und über den Kesselsberg (auch gesperrt am Wochenende) geht’s am Walchen- und Kochelsee vorbei nach München, wo wir nach einiger Franserei einfach nach GPS bei Anselm eintreffen. Wir werden nett aufgenommen und nach einem netten Schwatz am Abend finden wir in einen tiefen Schlaf.

Freitag, 21.8., Rückkehr nach Hause

Heute wird’s eine kurze Etappe, von Anselm zum Auto-Verladebahnof, Luftlinie ca. 1 km. ;-) Da Anselm früh arbeiten mußte, machen wir uns ebenso früh fertig und fahren erstmal in die Stadt, um uns da noch ein wenig umzuschauen. Am Stachus parken wir und spazieren ein wenig durch die dahinterliegende Fußgängerzone. Nach einem gemütlichen Imbiß trollen wir uns wieder zu den Karren (sie waren nicht gestohlen worden) und gondelten rüber zum Bahnhof, wo dann die Kisten verladen wurden und wir unser Abteil bezogen.

Der Rest des Tages verging mit Tagebuch schreiben, lesen, ein wenig Nickerchen machen und dem bangen Gedanken an das Auspacken Zuhause. ;-) Abends kamen wir dann bei ziemlich beschissenem Wetter Zuhause an, nachdem der Zug Mehrfach unterwegs gehalten hatte, da ein Gewitter in Höhe Koblenz die Spannungsversorgung der Strecke Mehrfach lahmgelegt hatte.

Zuhause packten wir nicht groß ab, da es ja am nächsten Morgen direkt nahtlos weiter zum Treffen der IG Motorradfreunde nach Freilingen (ca. 3 Stunden Fahrt von Mönchengladbach in der Eifel) gehen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte. ;-)

[Ende]

take care - Marcello.