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Reisebericht EnduROmania III – 1998

Von: Renate Häpe (gelber Helm)

Marcel Sieling (weißer Helm)

& Christian Grübl (roter Helm)

Bericht zur Teilnahme bei der III. Enduromania , Mo, 10.8. bis Fr, 14.8.98

Mittwoch, 5.8., 15:30.

Endlich Feierabend. Ich fahre, so schnell es geht, nach Hause, da wir noch zu unserem Reifenhändler müssen, die Crossreifen aufziehen lassen. Um 18:30 ist es dann endlich soweit und wir haben die frischen genoppten Gummis drauf (Michelin T63, sehr gut im Gelände, auf Asphalt recht leidlich, man kann sie bis auf die Kante fahren und sie haften auch bei Regen noch recht passabel, sie halten allerdings nur ca. 6000km. Egal. ;-) Geil ist der Sound, den sie beim Fahren machen, ein lautes Heulen. Es hört sich recht crossig an. ;-)) Die ersten paar Kilometer sind recht eirig, das Fahrverhalten ist doch recht anders als das der Metzeler Enduro 4, die wir gewöhnt sind. Aber das gibt sich dann.

Abends finde ich endlich einmal richtig Zeit für die schon lange vorher besorgten Landkarten von Rumänien, letzte Woche waren erst die Scans für Quo Vadis (eine GPS-Software) fertig geworden und ich brüte bis spät in der Nacht über den Unterlagen, die wir vom Veranstalter bekommen haben, und versuche auf der genauesten kalibrierbaren Karte, die wir haben (eine TPC Fliegerkarte der US Army von Därr in München im Maßstab 1:500.000) die Checkpoints zu finden, die wir im Verlauf der Enduromania ansteuern wollen. Ziel ist es, diese dann in der Karte zu markieren und dann letztendlich in das GPS herunterzuladen, so daß sie als Navigationshilfe in Rumänien zur Verfügung stehen. Es wird noch recht spät, ehe ich den Rechner ausschalte.

Donnerstag, 6.8., Packtag.

Heute ist Packtag. Ich hatte mir vorgenommen, viel Werkzeug mitzunehmen, damit wir auch im Gelände die notdürftigsten Reparaturen sowie Reifenpannen selbst beheben können. Natürlich sollte der ganze Klumpatsch nicht zu schwer werden, aber Montierhebel beispielsweise haben eben ein gewisses Gewicht... ;-) Es sind noch einige kleinere Sachen an der Karre zu machen (einige Birnchen der Instrumentenbeleuchtung waren ausgefallen, das Abblendlicht muß noch ein wenig ´runtergestellt werden, das Außenthermometer wollte ich noch ordentlich befestigen und die neuen Scottoiler mußten noch angebaut werden.

Bei Renate wollten wir noch schnell eine dickere Befestigungslasche an den Rahmen anschweißen, die bei der Africa Twin standardmäßig abbricht, wenn man Sturzbügel anbaut. Bei mir war das schonmal gemacht worden, jetzt war’s auch bei Renate fällig. Also um 10 schnell zu Klaus-Dieter und ´ran ans Schweißgerät. ;-) Bei der Hinfahrt fällt mir auf, daß die neuen Vorderreifen stark unrund laufen. Wir stellen fest, daß sie nicht richtig im Horn sitzen und montieren daher beide Vorderräder noch mal aus und lassen sie beim Reifenhändler noch mal neu setzen. Das klappt auch recht gut und abends haben wir die Kisten gepackt, geschweißt, repariert und fertig aufgeraffelt in der Garage stehen, denn am nächsten Morgen soll’s früh ´rausgehen.

So langsam kommt endlich Urlaubsstimmung auf. Die Vorbereitungen, die sich zumindest bei mir seit fast einem Jahr hinziehen, scheinen sich gelohnt zu haben, alles paßt zusammen und es ist alles da.

Wir fahren im Auto zum Bikerstammtisch der IG, da die Moppeds ja schon gepackt sind und wir jeden unnötigen Kilometer auf den Stollen sparen wollen. ;-) Wir verquatschen uns wie üblich und sind erst so gegen 23:00 Uhr wieder Zuhause. Renate geht sofort schlafen, ich schalte den Rechner wieder ein und gebe weitere Waypoints für das GPS ein:

- alle Tankstellen im Umkreis laut ADAC Tankstellenverzeichnis

(das sollte sich als Unsinn herausstellen, es gibt in der Realität

ca. 10mal so viele Tankstellen an den Hauptstraßen ;-))

- Alle Unterkunftsempfehlungen von Sergio

- Alle Checkpoints und alle umgebenden Orte

- Eine Anfahrtsroute durch Österreich und Ungarn

Ich kann vor Aufregung nicht schlafen und mache durch bis 4:30. Quo Vadis ist einfach Klasse, alles klappt einwandfrei, am morgen habe ich 143 Waypoints und fühle mich gut vorbereitet. ;-)

Freitag, 7.8. Erster Reisetag (Mönchengladbach -> Linz)

Um 5:00 Uhr fahren wir wie geplant pünktlich los. Ich bin hundemüde. Die Müdigkeit, die ich nachts vermißte, holt mich jetzt auf der dunklen Autobahn nach Düsseldorf wieder ein. Mit Mühe überstehe ich die 35km bis zum Hauptbahnhof, wo wir die Kisten auf den Autoreisezug nach München verladen. Das Befahren der Waggons im unteren Deck ist schon bescheuert, da man permanent befürchtet, mit dem Kopf oben anzustoßen, der Platz ist wirklich recht beengt. Unter einem Haufen dummer Sprüche und Witze zurren die anwesenden Schiffschaukelbremser unsere Kisten fest, wir (ca. 10 Moppedfahrer und wir beide) stehen alle bange dabei und hoffen, daß sie es richtig machen. Letztendlich stehen aber alle Moppeds sehr sicher und fest und wir sind guten Mutes.

 

Man macht uns Angst, daß nicht fest befestigte Gepäckstücke schonmal vom Waggon geklaut werden, so daß wir alles ´runterraffeln und schwer bepackt mit Tankrucksack, Seitentaschen, Gepäckrolle und Helm unser Abteil beziehen (uff).

Wir haben Glück, daß wir es für uns haben und richten uns behaglich ein (man kann die Sitze zu einer Liegefläche ´rausziehen, fein!). Nach wenigen Minuten sind wir eingeschlafen und verpennen die erste Hälfte der Fahrt. ;-) Schade eigentlich, denn hier sind die schönen Abschnitte an der Lorelei vorbei etc. Irgendwo hinter Aschaffenburg wachen wir auf und verbringen die restliche Zugfahrt mit futtern (Renates Tankrucksack war gut gefüllt) und Landschaft anschauen. Zwischendurch schauen wir noch mal durch die Unterlagen und die Landkarten und diskutieren ein wenig die kommenden Ereignisse. Uns fällt nichts auf, was wir vergessen haben,

ein gutes Zeichen. ;-)

In München angekommen laden wir die Kisten ab und rödeln sie erstmal wieder auf. Noch schnell für die Rückkehr einen Waypoint schießen (eh kloar) und dann ab dafür Richtung Linz! Wir wollten über Landstraße die direkte Route fahren, die Autobahnen gehen uns zu weit nach Süden (Salzburg) bzw. Norden (Passau). Über Altötting, Braunau, Ried im Innkreis kommen wir auf die Autobahn nach Linz. Per GPS finden wir sofort die richtige Autobahnabfahrt und sind nach wenigen hundert Metern am Ziel des Tages bei Chris, der auch mitfahren wollte, angekommen.

Nach einer herzlichen Begrüßung meldet sich erstmal der Hunger, und den sollte das Pizzagirl stillen (Werbeslogan "Pizzagirl rettet Linz"). Naja. Wenn jemals jemand von euch in Linz sein sollte, vermeidet diesen Pizza-Unservice. Die Pizza kam kalt und nach ca. anderthalb Stunden und der Bote war zu dumpf, das Wechselgeld zu berechnen. Zum Glück hatte ich Lasagne bestellt, die wird nicht so schnell kalt. ;-)) Neenee, war der dämlich. ;-)

Abends gehen wir noch mal alle Checkpoints durch und tragen sie in die Karten ein, damit wir die auch dort sehen. Dann haben wir noch schnell Chris´ Garmin mit den neuen Waypoints geladen und sind dann endlich schlafen gegangen, morgen sollte der erste Motorradtag kommen, da wollten wir fit sein.

Samstag, 8.8. Zweiter Reisetag, (Linz -> Szentes)

Wir stehen früh auf und packen die Kisten, damit wir wegkommen, wir wollen heute den größten Teil der Strecke wenn nicht den ganzen Teil schaffen. Schnell noch tanken, Luft prüfen und auf die Bahn nach Wien. Es ist recht viel Verkehr und die altehrwürdige A1 ist in einem recht ausbesserungsbedürftigen Zustand, immer wieder sind Baustellen angesagt.

Kurz vor der Grenze nach Ungarn machen wir einen kleinen Abstecher zum Neusiedler See und futtern in einer Pizzeria einen leckeren Salat. Wir sind recht gespannt auf das, was uns erwartet, Renate und ich waren noch nie soweit östlich unterwegs und irgendwie hängt an den osteuropäischen Ländern doch immer ein wenig der Ruch des Abenteuerlichen.

Wir fahren los und passieren recht problemlos die Grenze nach Ungarn. Renate hat einen netten Plausch mit der Grenzerin, die es kaum fassen kann, daß eine Frau mit einem großen Geländemotorrad an einer Enduro-Rallye in Rumänien teilnehmen will. Renate muß unbedingt einige Fragen beantworten, die Leute dahinter können ja warten. ;-)

In Ungarn empfängt uns eine nagelneue, schnurgerade und perfekt ausgebaute Autobahn, die allerdings Maut kostet. Man kann mit allen Kreditkarten und in allen möglichen Währungen bezahlen, es geht ruckzuck und professionell. Es gibt eine Menge Tankstellen an der Autobahn, wo man immer problemlos mit Kreditkarten bezahlen kann (was in der Schweiz z.B. an den Automatentankstellen nur mit schweizerischen Kreditkarten und EC-Karten geht, unglaublich!) und alles ist in bestem Zustand. Wir erkennen: Ungarn ist ein westliches Urlaubsland, offensichtlich auf Touristen gut vorbereitet.

Später werden wir jedoch sehen, daß der erste Eindruck auf der Autobahn dann doch etwas anders ist als die Realität im Hinterland. Wir tauschen einige Forint an der Grenze, da wir nicht wissen, ob wir eventuell Geld für eine Übernachtung brauchen.

Dann geht’s wieder auf die Bahn. Schnurgerade geht’s an Györ vorbei nach Budapest, wo wir auf dem Autobahnring schnell dran vorbeirutschen. Dort haben wir noch eine nette Schrecksekunde, als wir an einer Geschwindigkeitskontrolle vorbeifahren (zum Glück waren wir nicht zu schnell) und ein anderer Autofahrer aus dem fließenden Autobahnverkehr gefischt wird, in dem der Polizist mit der Kelle sich einfach mitten auf die Autobahn stellt und den ´rausholt. Wir sind etwas erschrocken.

Entgegen den Angaben auf unseren ADAC-Durchreisekarten geht die Autobahn nicht nur bis Kecskemet sondern weiter bis Kiskunfelegyhaza, wir kommen mit einem 100er Schnitt sehr gut durch. Am Ende der Autobahn rasten wir noch mal ausgiebig und tanken die Kisten noch mal voll.

Dann geht’s weiter durch ungarische Dörfer Richtung Osten. Zum ersten mal bekommen wir Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und sehen etwas anderes als Autobahn vom Land. Die Dörfer sehen ärmlich aus und das Leben ist einfach und bäuerlich. Überall sind Kabel auf Masten verlegt und es gibt keine Bürgersteige, die Seitenstraßen sind nicht asphaltiert. Ein ungewohnter Anblick, der aber später in Rumänien zur Normalität werden soll. Das ganze Aussehen erinnert an Dörfer in den neuen deutschen Bundesländern nach der Wende, viele verfallene Häuser, aber dazwischen vereinzelt immer wieder ein renoviertes und frisch gestrichenes Haus. In jedem größeren Dörfchen gibt’s Tankstellen und es sind viele Autos unterwegs, auch westliche und neuere Modelle.

In Csongrad hat sich die Sonne einer Handbreit dem Horizont genähert und wir beschließen, nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Der Campingplatz in Csongrad ist an dem Abend Mittelpunkt eines riesigen Volksfestes, wir geraten mit den schwer beladenen Kisten in einen riesigen Menschenauflauf, da da so eine Art Kirmes stattfindet. Die Leute starren uns an, als kämen wir von einem anderen Stern. Langsam zirkeln wir durch die Menschenmassen und beschließen, daß wir nicht dazwischen übernachten wollen. Wir drehen um und brauchen eine Viertelstunde, um da ´rauszukommen. Glücklicherweise ist die Gegend, auf der wir uns befinden, schon auf der Rumänienkarte drauf, auf der auch einige Campingplätze verzeichnet sind. Wir fahren in das nächste Dorf und finden im Wassersportort Szentes einen schönen Campingplatz, der uns gerne aufnimmt. Hier gibt es ein von Thermalquellen geheiztes Schwimmbad, was wir natürlich nach dem Zeltaufbau sofort aufsuchen. ;-)) Eine Wohltat nach dem langen Tag.

Wir kochen uns noch etwas und diskutieren den nächsten Tag, der sicher interessant werden wird. Wir befinden uns ca. 50km vor der rumänischen Grenze und zumindest mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Man kommt sich irgendwie vor, wie am Ende der Zivilisation, ein wenig verlassen. Wie am Beginn einer Expedition. Wird alles gut gehen? Werden wir in einer Woche heil wieder zurückkommen? Werden wir die Herausforderungen meistern? Mit gemischten Gefühlen kriechen wir in unsere Decken und sind sofort eingeschlafen.

Sonntag, 9.8., Überquerung der Grenze nach Rumänien, Ankunft in Surduc See

Um 9:30 haben wir alles gepackt und sind fertig zur Abfahrt. Wir verlassen den Thermalcamping Szentes (den man wirklich empfehlen kann) und fahren über kleine, asphaltierte, aber holprige und schnurgerade durch die Puszta-Ebene führende Sträßchen zügig nach Südosten, Rumänien entgegen. Über Nagymagocs, Oroshaza, Kaszaper und Mezökovacshaza (ich merke mir immer nur die ersten drei Silben zum Navigieren, mehr geht einfach nicht ;-)) nähern wir uns der Grenze zu dem unbekannten Rumänien. In Battonya tanken wir noch mal voll (was sich als Unsinn herausstellen sollte, da es in Rumänien erstens genügend Tankstellen gibt und zweitens der Sprit recht billig ist, ca. 90 Pf pro Liter). Weiterhin haben wir Schiß vor den Warnungen des ADAC in seiner Unterlagen, worin steht, daß man CB-Funk Geräte deklarieren muß und nicht einschalten darf. Wir montieren die Antennen ab und verstauen sie in den Gepäckrollen, ziehen die Spiralkabel ab und packen sie ebenfalls weg, um dummen Fragen vorzubeugen.

Nach einer kurzen Rast fahren wir zum Grenzgebäude. Der Waypoint, den ich mit Quo Vadis und der Därr TPC der Fliegerkarte 1:500.000 gesetzt hatte, stimmt auf 300m genau. Das ist die Pixelauflösung des Monitors. ;-) Genial! Wir schicken Renate vor, wir dachten uns, es ist vielleicht strategisch günstig, einen Grenzer mit einer Dame auf dem Mopped milde zu stimmen. ;-)) Die Ausreise aus Ungarn geht in 10 Minuten, was wir denn wollten und so weiter. Wir zuckeln weiter die hundert Meter bis zum Ende der Autoschlange, die sich vor den Einreiseschaltern nach Rumänien anstaut und stellen die Kisten in sengender Sonne bei 32 Grad (im Schatten) ab. Ein Grenzer kommt und spricht uns auf rumänisch an, wir sollen die kleinen Zettelchen ausfüllen, die er uns überreicht, dann gehe es mit dem Visum schneller. Weiterhin sollen wir an der Schlange vorbei nach vorne fahren. Na prima, denken wir uns und fahren erstmal nach vorne vor und stellen uns neben die Autos vor das Abfertigungsgebäude.

Mit den ausgefüllten Zettelchen (Name, Adresse, Nationalität, Zielort usw.) stellen wir uns dann an der Schlange vor den Abfertigungsschaltern an. Als wir drankommen, können wir zwar DM in rumänische Lei tauschen (die Dame sprach sehr gut deutsch), aber das Visum bekommen wir erst am nächsten Schalter, da wir nicht bezahlen wollen. Man hatte uns geschrieben, daß die Visa vorbezahlt und an der Grenze hinterlegt sind, da wollten wir natürlich nicht noch mal bezahlen.

Wir stellen uns also wieder an. Als wir endlich dran sind, zeigen wir unsere rumänischen Empfehlungsschreiben und weisen darauf hin, daß das Visum hinterlegt sei und daß wir es nicht bezahlen wollen. Darauf gibt es einen kleinen Wutanfall des Grenzers, weil wir die Motorräder nicht dabei haben und er deswegen die Nummernschilder nicht kontrollieren kann und weil auf den Zetteln unser Name nicht draufsteht. Außerdem muß er von seinem Sitz aufstehen und zu seinem Chef ins Nachbargebäude gehen, um sich zu erkundigen, wie das mit den vorbezahlten Visa läuft, das ist natürlich auch eine Zumutung. Wir warten völlig ungerührt auf seine Rückkehr, wo er uns bedeutet, daß ohne die Moppeds nichts gehen würde, wir sollten uns erstmal wieder anstellen.

Grr. Wir also zurück zu den Kisten, mogeln uns vor einen Italiener in der Schlange, der sich natürlich fürchterlich aufregt, aber wir warten ja auch schon anderthalb Stunden. Auf einer Dieselpfütze rutsche ich auch noch aus und mir fällt die schwer beladene Kiste im Stand um. Naja, alle packen mit an und dann steht sie auch schnell wieder. Es dauert ewig lange, bis die Beamten die drei Autos vor uns abgefertigt haben. Dann kommen wir wieder dran und mit viel Gemaule und umständlichem Getue und Gewühle in allen möglichen Fahndungslisten passieren wir endlich die Grenzkontrollen. Zwei Stunden haben wir letztendlich gebraucht, aber das Visum haben wir dann doch kostenlos erhalten. ;-) Nun müssen wir erstmal die Uhren eine Stunde vorstellen und verlieren dadurch natürlich eine Stunde. ;-)

Hinter der Grenze fahren wir erstmal vorsichtig. Tempolimits sind 40 km/h innerorts und 60 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften. Wir schleichen dahin und werden laufend von Autos und Lkws überholt. Teilweise recht halsbrecherisch. Wir fahren durch Arad, der ersten größeren Stadt. Man sieht viel Armut, verfallene, teilweise baufällige Plattenbauten, die Leute leben auf der Straße, viele Hunde streunen herum und es sieht richtig fremd aus. In der Innenstadt lauern Kinder und Bettler einem an roten Ampeln auf und betteln sehr nervig. Wir sind froh, als wir die Stadt hinter uns gelassen haben und endlich wieder auf freier Strecke sind. An der Durchgangsstraße finden wir ein Restaurant und halten mit der Hoffnung, was zu Essen zu finden, aber die Küche ist geschlossen. Egal, wir trinken eine kühle Coke (50 Pf der halbe Liter, zisch!!). Die Kühlschränke stehen in Rumänien immer auf der Straße und sind bunt beleuchtet, so daß man direkt sieht, daß die Getränke dort auch wirklich gekühlt sind. Hervorragend, bei der Hitze.

Während wir da sitzen, donnern verschiedene Lkws mit 120km/h (geschätzt) durch die gerade Durchgangsstraße im Ort und wir beschließen, das Tempolimit ab sofort zu ignorieren und im Verkehr mitzuschwimmen. ;-))Das klappt dann auch hervorragend und wir machen uns nach erneuter Montage der Funkausrüstung wieder auf die Straße, um nach Timisoara zu kommen, der nächsten und gleichzeitig auch letzten größeren Stadt auf unserem Weg in das Endurmania Basislager. Dort müssen wir nicht in die Innenstadt sondern können in den Vorstädten bleiben, eine kleine Pizzeria findet sich schnell und für 5,-DM (inklusive Getränke) vertilgen wir eine leckere kleine Pizza. Auf dem weiteren Weg kommen wir recht gut voran und fahren nach Lugoj. Die Route, die wir eigentlich fahren wollten, ist für LKW gesperrt, aber das hält uns ja nicht ab. ;-) Wir erkundigen uns sicherheitshalber bei einigen Melonenhändlern, die an der Straße sitzen, nach dem Weg. Sie diskutieren viel untereinander und fragen uns dann einige Sachen, einer von ihnen spricht deutsch und auf einmal sitzt einer bei Renate hinten auf dem Mopped und will einige Meter mitgenommen werden. Ich dachte zuerst, da gibt’s Ärger, aber die Leute waren sehr nett und zwangen uns nachher fast, eine Melone mitzunehmen. Mit viel Mühe und Überredungskünsten konnten wir sie davon überzeugen, daß alle Koffer und Packtaschen voll sind und daß wir die Melone unmöglich unterbringen können.

Weiter ging´s dann über die für LKW gesperrte Route und da konnten wir auf einer Baustelle erstmals unsere Stollen ein wenig den rumänischen Dreck greifen lassen. ;-) In Trajan Vuja biegen wir nach rechts ab Richtung Surduc. Nun sind es nur noch 5km und unsere Aufregung steigt. Hinter dem Ort geht es in die Berge hinauf und auf einmal öffnet sich ein schöner Blick auf den Surduc See, an dem wir das Basislager haben werden. Wir fahren langsam die Straße entlang und suchen nach Hinweisen zum Camp, finden aber nix. Durch das nächste Dorf fahren wir auch noch durch, aber außer einigen Einheimischen und vielen Tieren, die alle völlig frei auf der Straße ´rumlaufen, finden wir nix. Hinter dem Ort sind wir schon am See vorbei und halten wir an, beraten uns kurz und beschließen, umzudrehen.

Als wir uns im Ort erkundigen, kommen zufällig einige Crosser auf leichten Kisten mit dicken Tanks vorbei. Mit spektakulären Drifts auf der Straße und viel Getöse halten sie an und bedeuten uns, daß wir ihnen folgen sollen. Sie braten mit einem Affenzahn die enge Straße entlang und wir lassen die Kisten ein wenig rennen. Später stellt es sich raus, daß das drei Dänen waren, die später eine Sonderauszeichnung als das "most dynamic Team" erhalten sollten. ;-) Wir werden noch einigen Spaß mit denen haben. ;-)

Einen kleinen Feldweg geht’s rechts rein über eine sehr staubige Schotter- und Dreckpiste zum Basislager, wo eine Enduromania-Fahne aufgespannt ist. Es handelt sich um ein Bootshaus mit Anlegesteg direkt am See, was der örtlichen Handwerkergenossenschaft gehört und was abgesperrt und bewacht ist, mit einer großen Wiese zum Zelten. Sergio freut sich, daß wir da sind und es gibt ein großes Begrüßungs-Hallo. Da wir eigentlich nicht zelten wollten, geleitet er uns zu einem nahegelegenen Ferienhaus, in dem wir einige Betten anmieten. Wir machen es uns dort ein wenig bequem, packen ab, schwimmen ein wenig im See und fahren mit dem Kajak-Zweisitzer des Vermieters ein wenig darauf ´rum. ;-)

Anschließend fahren dann mit den Kisten die dreihundert Meter zurück zum Camp, um sie dort abzustellen und bei Geza, dem Wirt, ein leckeres Abendessen zu verspeisen. Geza ist Deutschungar und unterhält in der Region eine kleine Herberge. Er betreut das Basiscamp mit Frühstück und Abendessen und macht das so liebevoll, nett und persönlich, daß man richtig das Gefühl hat, nach Hause zu kommen. Eine feine Sache.

Wir schwatzen noch lange mit Sergio und richten die Grüße aus, die wir von Possi überbringen sollten, er freut sich. Wir lernen Uli und Conny aus Mönchengladbach kennen, die mit einem Suzuki Carry Minibus gekommen sind und ihre beiden Crosser völlig auseinanderschrauben müssen, um sie dort ´reinzuzwängen. Markus und Angelika sind mit einem Camper mit Hänger da und haben ihre beiden LC4s mitgebracht, und sehr spät abends kommen noch die beiden Stephans mit einem Kadett und zwei R100GS (einer als PD) auf dem Hänger, der sicher überladen ist, aber was soll’s. ;-)

Spät abends kriechen wir in die schmalen, kurzen, harten rumänischen Betten und ich schreibe noch ein wenig Tagebuch, mit meiner neuen MagLite, die an einem Stirnband befestigt ist und deswegen immer dahin leuchtet, wo ich hinschaue. ;-) Genial, ein tolles Spielzeug. Renate und Chris lachen mich aus, daß ich mich so darüber freuen kann. Aber ein wenig neidisch sind sie doch. ;-))

Montag, 10.8., erster Enduromania-Tag, Nordrunde

Geza zaubert ein hervorragendes Frühstück und um 9:00 Uhr fahren wir los. Wir wollen eine Route mit einfachen Checkpoints fahren, damit wir uns erstmal einstimmen.

Von Surduc aus fahren wir über Asphalt nach Norden und queren die Hochebene nach Norden. Die Straße zwischen Faget und Birchis besteht aus Natursteinpflaster und staubigem Schotter, ist aber gut fahrbar. Wir fahren ohne Gepäck und gewinnen Vertrauen zu den Bewegungen auf dem losen Untergrund. Wegen der großen Staubentwicklung fahren wir gestaffelt in größerem Abstand, der Funk ist natürlich in Betrieb und so sind wir immer in Verbindung. Ich brause ein wenig voraus, um Chris zu fotografieren, wie er aus dem Wald herausgebraust kommt. Er reißt noch mal extra am Gas und es sieht sehr spektakulär aus und ich hoffe, die Fotos sind was geworden. ;-)

Wir fahren hoch nach Slatina de Mures, ein kleines verschlafenes Dorf abseits des Treibens an der Hauptstraße. Der Checkpoint ist in einer Schule, den Stempel bekommen wir von der Schulleiterin, steht in der Anleitung. Im Dorf tummeln sich alle möglichen Tiere, eine Horde Ferkel galoppiert an uns vorbei und wir genießen den urwüchsigen Anblick der Dorfbewohner, die in der Sonne vor den Häusern sitzen und den Hunden, Katzen, Gänsen und Hühnern, Schafen und Kühen beim Treiben zuschauen.

Durch das Dorf fließt ein Fluß, in dem einige Frauen Wäsche waschen und sich die Tiere tränken. Wir fragen uns durch, bis wir erfahren, daß die Schulleiterin auf dem Feld sein soll. Ein Kind bietet sich an, uns auf dem Sozius dorthin zu leiten. Es ist aber dann doch nicht erforderlich, da sie Zuhause zu sein scheint. Nach kurzer Wartezeit kommt sie auch aus dem Haus und trägt ihr hübschestes Kleid. Umständlich geleitet sie uns in die Schule, sucht ihren Stempel und ihren besten Füller raus und stempelt sehr sorgfältig unser Teilnahmeformular ab. Wir sind die ersten, die dieses Jahr auf diesem Checkpoint sind und sie ist sich der Bedeutung des Augenblicks sehr bewußt. Wir versuchen uns zu verständigen, aber wir sprechen keine einzige gemeinsame Sprache.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, fahren wir wieder zurück und zweigen hinter dem Dorf rechts ab, dort soll es eine Abkürzung über einen Hügel zum nächsten Checkpoint geben. Der Weg wird recht schnell sehr holprig, tiefe Auswaschungen machen das Fahren recht anspruchsvoll. Chris düst voraus und gemeinsam meistern Renate und ich die Hürden. Ich fahre voraus und gebe ihr Tips über Funk, wo man am einfachsten fahren kann, das klappt dann auch recht gut. Als es dann wieder bergab geht, muß sich ihre Twin dann doch einmal im Dreck wälzen, aber gemeinsam schaffen wir’s. ;-) Chris hatte derweil etwas Zeit, sich ein Pfeifchen zu schmauchen und zusammen geht’s zum nächsten Checkpoint. Wenn alle vier Tage so werden, dann Prost Mahlzeit. ;-)

Auf dem Weg zu Debela Gora, einer Berghütte, werden wir von Einheimischen einen Waldpfad hochgeschickt. Auf einem schnellen Schotterstück übertreibe ich es ein wenig und lege mich bei ca. 50 km/h ab, aber komischerweise ist nix kaputt außer einigen Kratzerchen am Sturzbügel. Blinker, Spiegel, Knochen, alles OK. Schwein gehabt.

Weiter kommen wir in den Wald, wo es recht tief gespurt ist. Chris fährt zur Erkundung voraus und warnt uns dann über Funk, nicht nachzukommen. Es stellt sich raus, daß es in den Spuren Wasser gab, es etwas matschig wurde und als ein Baum über dem Weg lag, mußte er umkehren. Das gelang ihm dann wohl auch, aber auf dem Rückweg soff die Kuh in einer tiefen Spurrille so richtig ab, die Zylinder waren fast nicht mehr zu sehen. Zu dritt ´rausziehen klappte nicht und so mußten wir sie mit meiner Twin ´rausschleppen. Ein Glück, daß ich das Seil mitgenommen hatte, vorher hatte man mich noch deswegen ausgelacht. ;-)

Mit dem Seil ging´s dann, die Kuh war wieder flott, nur mußte ich jetzt noch in dem Matsch wenden und fuhr mich dabei auch noch fest. Mti viel Gewühle und viel Schlammspritzerei buddelten wir alles wieder frei und waren nach zwei Stunden wieder unterwegs.

Der Weg wurde recht steil und tief ausgewaschen und ich durfte Renates Kiste über die schwierigsten Trial-Passagen chauffieren, da sie keine Lust auf weitere Bodenberührungen hatte. Naja, es war recht schweißtreibend und nervenaufreibend. Offensichtlich waren die einheimischen das Wandern gewohnt, mit den Moppeds ist das dann schon schwieriger. ;-) Ein Pferdefuhrwerk kommt uns entgegen, welches bei der steilen Bergab-Passage mit einem vor ein Hinterrad vorgeschnallten Blech gebremst wird, da die normalen Bremsen das Ding nicht mehr halten können.

Als wir aus dem Wald auf eine Schotterstraße stoßen, schwant uns die Erkenntnis, daß wir den falschen Weg hochgefahren sind. Nach dreihundert Metern einfachen Feldwegs finden wir die Hütte und genießen den Ausblick. Der Schäfer kommt gerade des Wegs und wir bekommen unsere Unterschrift. Den Weg herab finden wir leicht, wir folgen der leicht zu fahrenden Schotterstraße und gelangen unten wieder auf die Hauptstrecke. Nun kommt ein Asphaltcheckpoint, Gezas Herberge in Minis. Es öffnet niemand, aber wir merken uns das Aussehen der Hunde, die in seinem Innenhof herumstreunen und nehmen uns vor, von ihm die Unterschrift zu holen, wenn wir wieder im Camp sind und er uns das Abendessen serviert. ;-)

Zum Schluß geben wir uns noch Siria Burg, ein Checkpoint, der über eine lose geschotterte Bergstraße zu erreichen ist und am Rande des Hügellandes mit einem grandiosen Blick auf die Puszta-Ebene belohnt. Der Meteorologe auf der Wetterhütte spricht kein Wort deutsch, englisch oder französisch und mit einem gewissen schmunzeln bemerken wir das CB-Funkgerät, was auf Kanal drei eingeschaltet ist. ;-) So schlimm scheint das mit dem CB-Funk Verbot wohl nicht gehandhabt zu werden. In der Nähe der Hauptstraßen haben wir auch dauernd Störungen durch andere Funker, es wird rege auf CB gequakt in Rumänien.

Der Weg abwärts geht recht flott und angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit geht es zügig über Asphalt nach Hause. Wir verschätzen uns mit den Entfernungen und kommen nach längerer Fahrt und einem Tankstopp erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder im Camp an. Das GPS wies uns den Weg über die unbeleuchteten Straßen, wo sich immer noch alles Mögliche (Pferdefurhwerke, Tiere, Autos) tummelt, das meiste natürlich ebenfalls unbeleuchtet..

Überhaupt stellen wir fest, daß die Waypoints, die wir per GPS ansteuern, meist doch nur recht ungenau sind, Abweichungen von 2-3km sind die Regel. Das liegt daran, daß die Checkpoints, die wir anfahren, meist nur einsame Hütten oder winzige Ortschaften sind, die halt auf keiner Karte verzeichnet sind und wo wir uns auf Schätzungen verlassen müssen. Macht aber nix, jeder gefundene Checkpoint wird neu geschossen und gleich in der Datenbank mit einem besonderen Flag markiert, so daß man ihn nachher einfach wiederfinden kann.

In Surduc wartet Geza schon mit einem hervorragenden Abendessen auf uns und nach vielen Erzählungen ging´s ab ins Bett, der Tag war 330km lang, 7:18 h drehte sich mein Vorderrad, der Schnitt lag bei 44,8 km/h. ;-)

Dienstag, 11.8., zweiter Enduromania-Tag, Muntele Mic

Heute wollten wir ein wenig in die Berge, Richtung Süden. Zuerst aber mußten erste kleiner Schäden repariert werden, das Außenthermometer (eine recht interessante Information, übrigens) war losgerappelt und mußte mal ordentlich befestigt werden, Die Heizgfriffregelung hatte sich gelöst und wurde mit Kabelbinder neu und sicher befestigt. Außerdem hatte ich einen Wackelkontakt in der Spannungsversorgung am Funk und es stellte sich raus, daß der Entstörfilter von Conrad Electronic (in Hartschaum eingeschäumt) sich zerbröselt hatte und innen irgendwo ein Kabel gebrochen war. Naja, ausbauen und gut ist, dann brummt´s halt ein wenig, aber Hauptsache, wir können wieder funken. ;-)

Gegen 12:30 fahren wir dann endlich los, über Nadrag auf die Hauptstraße nach Caransebes. Von dort wollten wir Richtung Borlova, aber irgendwie fanden wir die richtige Abzweigung nicht. Ein netter Einheimischer bot sich an, uns zu lotsen und ich nahm ihn einige hundert Meter auf den Sozius. In Borlova bekamen wir beim Bürgermeister sofort unseren Stempel und düsten weiter Richtung Berge zum Muntele Mic. Der Muntele Mic (kleiner Berg) ist ein Skigebiet, was wohl zu Ceaucescu-Zeiten (richtig geschrieben?) belebt war, aber seit der Revolution nicht mehr in Benutzung ist. Die Straße dorthin verfällt jedes Jahr weiter, teilweise ist es wirklich schwierig, man muß anhalten und sich die richtige Route durch das Geröll oder durch das Wasser aussuchen. Die Auswaschungen sind

teilweise recht tief und es gibt Stellen, wo einfach ein Stück Straße

fehlt und man einfach etwas Schutt hingekippt hat.

Vor einer recht schwierigen Passage läßt Renate ihre Karre stehen und setzt sich bei mir auf den Sozius. Ich fahre sehr vorsichtig, aber es ist trotzdem sehr schwierig für sie. Ich muß sie energisch überreden, nicht die Augen zu schließen (dann kann sie nicht mitbalancieren) und sich nicht an mich zu krallen (dann kann ich mich nicht mehr bewegen, um die Kiste auszubalancieren).

Nach und nach schwindet ihre Angst und sie erkennt erstaunt, daß man mit einem gewissen Minimum an Geschwindigkeit (ca. 25-30 km/h) viel müheloser über schwierige Geländepassagen hinwegkommt, als wenn man vorher anhält und dann anfahren und das Motorrad durch gezieltes Gegenlenken auf Kurs halten muß. Wenn man etwas schneller fährt, dann schaut man weit voraus, sucht sich eine Route und das Mopped fährt die dann von selbst. Es ist erstaunlich, wie sicher die Africa Twin sich auch in schwierigen Passagen mit zwei Personen dirigieren läßt und ich habe viel Spaß damit.

Nach einigen kleineren und einer größeren Wasserdurchfahrt und verschiedenen mehr oder weniger gerölligen anspruchsvollen Strecken und viel Autobahnschotter, den ich mit Rücksicht auf meine Sozia viel moderater nehme als ich das sonst getan hätte, sind wir oben angekommen. Das Hotel ist ein verlassener, baufälliger Plattenbau, ca. 6-geschossig und mit erstklassigem Ausblick auf die umliegenden Berge, nahe am Gipfel. Es muß einmal sicher recht schön gewesen sein.

Wir orientieren uns rechts, müssen noch durch einen Bach mit sehr großen Steinen (fast Fußballgroß, recht unangenehm) und einen kleinen Weg und kommen zur einzigen bewirtschafteten Hütte, die auch einige Liter Benzin für die Stoppelhopser bereithält. Wir jausnen ein Omelett und genießen das kühle Quellwasser und bemerken wieder einmal ein illegales, in Betrieb befindliches CB-Funk Gerät und amüsieren uns darüber. Hier oben auf dem Berg haben die natürlich phantastische Reichweiten. ;-)

Beim Weg abwärts fährt Chris voraus und alarmiert uns über Funk, daß Ottmar ´raufbrausen würde. Ottmar Königsdorfer ist schon das vierte Mal bei der Enduromania dabei. Er war früher einmal aktiver Motocrosser und hatte dann einen schweren Unfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte. Seitdem fährt er ein Yamaha-Quad, das speziell für ihn umgebaut wurde. Alles per Hand bedienbar, ein großer Überrollbügel und breite Fußtritte mit einer kleinen Reling, damit die Füße nicht herunterrutschen. Er selbst schnallt sich mit einem Nierengurt an den Überrollbügel an und düst damit bis zu den schwierigsten Checkpoints. Er hat eine wechselnde Truppe von Hard-Crossern dabei, die ihn unterstützen, aber er ist immer schneller als sie und fährt ihnen allen davon.

Wir halten sofort an und erwarten ihn in einer staubigen Kurve, wo er uns mit gezückter Kamera sieht und auch brav einen geilen Slide hinlegt, während er den anderen Moppedfahrern seines Teams vorausqualmt. Ein irrer Anblick. ;-) Ich habe großen Respekt vor soviel Engagement. Einmal gab´s letztes Jahr ein Problem, als einer seiner Jungs den Spritkanister, der hinter seinem Sitz befestigt ist, nicht richtig verschlossen hatte und das Benzin auslief und ihm in die Hose sickerte. Nach dem Tag hatte er großflächig die Haut völlig weggescheuert, da er natürlich weder das Benzin noch die Verletzung bemerkte. Da hat er dann lange dran herumlaboriert. Große Probleme machen ihm die Geröllstrecken, da er natürlich nicht aufstehen kann wie wir alle und deswegen jeder Schlag immer in den Rücken geht. Jedenfalls ist er ein irrer Typ. ;-)

Nachdem sich der Staub wieder gelegt hatte, fahren wir weiter abwärts und stellen fest, daß eine der Wasserdurchfahrten, die wir vorher durch eine relativ matschige Passage mühsam umbaggert haben, doch nicht so tief war und düsen einige Male hin und her dadurch, nicht ohne ordentlich Fotos zu machen. Chris übernimmt sich ein wenig und ist danach bis zum Scheitel (jaja, im Helm!) naß (hehe). ;-) Später treffen wir dann auf Renates Kiste, die unversehrt dort stand, wo wir sie stehen gelassen hatten und fahren zu dritt weiter.

Auf dem Weg zum Camp düsen ziemlich schnell über die engen kurvigen Sträßchen zwischen Nadrag und Firdea, was direkt am Surduc See liegt und haben viel Spaß bei der Hatz. ;-) Der Funk von Chris hat Wackelkontakte, die immer schlimmer werden. Später schauen wir nach, was los ist und es stellt sich raus, daß lediglich das Antennenkabel lose war [ähem].;-) Mein Fahrradtacho ging auch nicht mehr, bis Chris ´rausfand, daß er einfach nicht richtig in seiner Halterung saß. Wenn alle Schäden in diesem Urlaub so schnell behoben werden können, dann wollen wir nicht meckern. ;-)

Apropos Schaden: Im Camp angekommen stellen wir fest, daß die Kuh von Chris viel Öl am Schwingenlager verliert. Es stellt sich raus, daß das die Kardangehäuseentlüftung ist. Hm. Da ist vor kurzem ein neues Getriebeausgangslager ´reingekommen, sollte sich da der Simmering...? Nello, der Enduromania-Schrauber, entfettet die Entlüftungsbohrung, verschließt sie mit einer schwarzen Paste und meint, wenn wir regelmäßig nach dem Getriebeölstand schauen, dann können wir die drei Tage noch ohne Probleme weiterfahren, die Kuh hätte ein starkes Getriebe. Naja. Später beobachte ich ihn, wie er die Spurstangengelenke von dem Enduromania-Patrol nacharbeitet, da gab´s irgendein Problem:Eine 17erNuß wird einfach in den Dreck auf der Wiese gesetzt, den Spurstangenkopf hat er in eine Bohrmaschine eingespannt und drückt ihn auf die Nuß. Ein Kollege schnappt sich eine Flex und arbeitet den in der Nuß im Boden drehenden Spurstangenkopf nach. Wenn man keine Drehbank hat, muß man halt nur erfinderisch sein. ;-) Es sieht einfach irre aus. ;-)

Wir tauchen jedenfalls erstmal in den See und genießen das kühle Bad nach der sengenden Hitze des Tages. Abends lassen wir uns wieder von Geza verwöhnen und fallen todmüde in die Betten und kämpfen gegen die Mücken, das Heulen der unzähligen Hunde und gegen die Hitze in den Schlafsäcken, wenn wir sie dann mal wegen der Mücken zugemacht hatten. Weil ich eh nicht schlafen konnte und weil es kein Wasser mehr im Vorratstank des Ferienhäuschens mehr gab und die Toilette dementsprechend aussah (ich erspare mir eine detailliertere Beschreibung) forschte ich nachts im Dunkeln mit meiner prima Stirnband-MagLite nach der Technik, wie man den Tank wieder auffüllt (dazu müssen diverse Schläuche und Elektrokabel umgesteckt werden, damit aus dem See der 200l Tank im Dach des Hauses wieder vollgepumpt wurde). Letztendlich war’s mir auch gelungen und ich reinigte die Toilette notdürftig und legte mich dann wieder ins Bett und fand mühsam in einen unruhigen Schlaf, immer wieder unterbrochen von Mücken und von der Affenhitze unter dem Dach des Holzhäuschens.

Mittwoch, 12.8., dritter Enduromania-Tag, Transfer zu Wittmann

Wittmann´s Hütte ist eine Herberge, die von einem rumänisch-deutschen Rentnerehepaar geführt wird, mit hervorragendem Standard und erstklassigem Essen, wir hatten schon viel darüber im Vorfeld von ihm gehört und wollten unbedingt eine Nacht dort übernachten. Außerdem liegt Wittmann nicht, wie Surduc, im Norden des Checkpoint-Gebietes, sondern im Süden, wo die höheren Berge sind. So können wir auch von den schwierigeren Checkpoints im Süden etwas schnuppern. Also packten wir unsere Schlafsäcke und Isomatten ein und machten uns früh auf.

Renate überlegte, eventuell im Camp zu bleiben, weil es doch etwas schwierig war vorgestern, als wir eigentlich nur die einfachen Sachen machen wollten und auch gestern am Muntele Mic. Aber Sergio bekam das beim Frühstück mit und redete ihr das wieder aus. ;-)) Er empfahl uns eine nette Anfahrt-Route, die leichte Geländepassagen mit Asphalt-Checkpoints verband und uns über schöne Strecken zu Wittmann führen sollte.

Wir sind früh unterwegs und fahren erstmal nach Norden, um über den Ruscita Paß noch einige Checkpoints auf dem Weg nach Süden zu Wittmann mitzunehmen. Auf dem Weg zum Paß treffen wir die Dänen, denen sich Markus aus Köln mit seiner LC4 angeschlossen hat. Wir schwatzen ein wenig und lassen sie vorbei, da sie eh schneller sind. Den Paß erreichen wir über eine einfach zu fahrende Waldarbeiterstraße, wo wir auch die Dänen wiedertreffen. Dort zeltet eine nette Dame, die mit einigen Hundewelpen alle vier Enduromania-Tage dort campiert. Sie serviert uns frischen Kaffee und geröstete Maiskolben von ihrem Lagerfeuer und wir radebrechen ein wenig auf französisch mit ihr.

Doch wir wollen weiter, es geht abwärts nach Süden in Richtung Poiana Marului, einem alten verlassenen Ferienort am Ende eines Stausees, den man über Asphalt erreichen kann. Doch zuerst kommt die Abfahrt vom Ruscita Paß, die nach Süden etwas schwieriger ist als wir es bei der Auffahrt auf der Nordseite gesehen haben. Es fließt ein kleines Flüßchen erste eine Zeit lang neben dem Weg, dann auch über den Weg, so daß man etliche hundert Meter bei schon recht deutlichem Gefälle durch das Bachbett zirkeln muß. Ich halte an, um das Spektakel zu fotografieren und stelle mich dabei Renate ein wenig blöd in den Weg, so daß sie durch die tiefste Stelle durch muß, aber sie schafft es unter wildem Geschimpfe, was mich aus ihrem Helm erreicht. ;-)

Unten angekommen geht’s über Asphalt nach Poiana Marului, ein verlassener ehemaliger Ferienort. Der Checkpoint befindet sich in der Bar des ansonsten verlassenen und unbewohnten Hotels am Ende des Tales. Der Glanz der vergangenen Zeiten liegt auf dem Gebäude, das hierzulande wegen Baufälligkeit nicht mehr betreten werden dürfte. Die Toiletten sind verschlossen und werden auf unsere Nachfrage hin extra geöffnet, aber sind so baufällig, daß wir froh sind, schnell wieder raus zu sein. Wasser gibt’s eh nicht, und an den Mauern sieht man große Risse im Spannbeton und die schwereren Türen passen nicht mehr in die Fassungen. Wir machen uns schnell wieder davon, nachdem wir uns entschlossen haben, das steile Schotterstück zum Cuntu Gipfel doch nicht in Angriff zu nehmen. ;-)

Wir fahren über die Hauptstraße nach Süden, bis es links nach Wittmann geht. Er hat den Weg gut ausgeschildert, das ist auch gut so, denn es geht über verschiedene geröllige Strecken, die schlecht gepflegt sind, da dort eigentlich einmal ein Stausee entstehen sollte, welcher dann aber aus Rentabilitätsgründen doch nicht gebaut wurde. Die Herberge steht auf halber Höhe zum Bergkamm seitlich am Tal, da wo sonst das Ufer des Sees gewesen wäre und ist nur über eine Geröllstrecke mit Flußdurchfraht zu erreichen. In der Beschreibung steht, daß Pkws unbedingt Vierradantrieb haben müssen, um die Hütte zu erreichen, aber es sind auch genügend andere Autos hingekommen. ;-)

Wir geben Renate abends gegen halb Sieben bei Wittmann ab ;-) und beschließen, noch schnell Cozia Gipfel zu machen. Der Checkpoint ist nur ca. 3km Luftlinie auf der anderen Talseite entfernt, aber er ist als Offroad-Strecke gekennzeichnet und hat es in sich. Wir müssen zuerst über einen Piste mit grobem Natursteinpflaster und leichtem Geröll, die recht staubig, aber breit ist und machen uns einen Spaß daraus, es mit ca. 60km/h in breiter Formation so richtig Krachen zu lassen. Es kommt ein wenig Paris-Dakar Feeling für Arme auf, für mich ist es grandios. ;-)

Dann geht’s links aufwärts und treffen auf einige wirklich steile, enge und geröllige Passagen, die mit unseren schweren Maschinen nur beherzt mit viel Gas und viel Drifterei und Mut zu meistern sind. Nur durch Glück schaffe ich es ohne einen Sturz, Chris springt das Vorderrad auf einem dicken Stein unglücklich zur Seite und er muß die Kuh an einer steilen Stelle mühsam wieder aufrichten und in Fahrt bringen, was angesichts des losen Untergrundes recht schwierig ist. Wir verschnaufen an einem Bächlein, welches am Weg in einen Trog mündet und kühles, klares Wasser bietet, was sehr erfrischend ist.

Nach weiteren Turnübungen durch einen engen, steilen Kanal und einen Wald, in dem der Weg zwischen sehr eng stehenden Bäumen durch geht, der sehr stark nach links abschüssig ist (ich stolpere über eine Wurzel und komme haarscharf an einem Bums vor einem Baum davon). Wir erreichen ein schräges Hochplateau, welches an der Baumgrenze eine Hütte hat, wo einige Schäfer den begehrten Stempel verabreichen.

Wir fahren noch ein Stückchen weiter über eine Wiese den Berg hinauf und wehren währenddessen die großen rumänischen Schäferhunde ab, die sehr behaart und kräftig aussehen und uns doch einige Angst einjagen, während sie dicht neben der Karre herlaufen und uns ankläffen und versuchen, anzuhalten. Wir wurden vorher gewarnt, die Hunde nicht zu verletzen oder vor ihnen zu flüchten, bei früheren Enduromanias sind mehrere Leute schon gestürzt bei dem Versuch, einem Hund zu entkommen, und einer hat einen Hund überfahren und mußte an Ort und Stelle Schadenersatz in Höhe von 200,- DM leisten. Die Diskussion mit den rumänischen Schäfern kann ich mir lebhaft vorstellen und teilnehmen möchte ich da nicht.

Nach wenigen hundert Metern erreichen wir den Bergkamm und sind überwältigt von dem Ausblick. Wir befinden uns mit den Motorrädern an der höchsten Stelle im weiteren Umkreis und genießen die irre Aussicht auf den Sonnenuntergang und die umliegenden Berge. Ich kann einen Jubelschrei nicht zurückhalten und wir parken erstmal und machen eine Menge Fotos. Beim Weg abwärts machen wir wieder an der Quelle halt und die Schotterpiste zurück wird noch rasanter genommen wie auf dem Hinweg. ;-))

Abends gibt’s ein hervorragendes Abendessen bei Wittmann und wir sinken hundemüde in die erstklassigen Betten (Latex-Matratzen und Frottier-Bettwäsche, einfach herrlich!) und ich habe die erste wirklich erholsame Nacht seit der Ankunft in Rumänien, ohne Mücken.

Donnerstag, 13.8., vierter und letzter Enduromania-Tag, Rückkehr zu SurducHeute ist der letzte Tag für die Enduromania, abends müssen wir das Stempelblatt abgeben. Wir beschließen, einige leichtere Checkpoints zu machen und uns dann mittags zu trennen: Renate sollte über die asphaltierte Hauptstraße zum Camp fahren, während wir noch versuchen, zum Cuntu zu kommen, einem der hohen schwierigen Gipfel.

Wir frühstücken erstmal ausgiebig und ich genieße besonders den frisch gemahlenen Frischkorn-Brei mit viel Obst. Danach geht’s direkt los, runter zur Hauptstraße und nach Canicea, einem leichten Asphalt-Checkpoint mit netten Leuten, die nächstes Jahr eine kleine Herberge fertig haben werden und sie uns geschäftstüchtig anpreisen. Wir genießen eine kühle Limo und fahren dann direkt weiter.